Lernen und Lehren unter dem Einfluss der Digitalisierung

Schule unter Druck

Wandel von Schule als gesellschaftliche Notwendigkeit

Es sind im Wesentlichen fünf Bereiche, die einen Veränderungsdruck mit zunehmender Intensität auf unser heutiges Schulsystem ausüben:
1. Wissenschaft und Technologie mit ihrer ungeheuren Entwicklungsdynamik, ihren immer kürzeren Innovationszyklen,
2. Wirtschaft / Erwerbs- und Arbeitswelt mit ihren Globalisierungstendenzen,
3. Gesellschaft/ Demographie und Sozialstruktur mit ihren spezifischen Problemen der Zuwanderung, der Überalterung, des Jugendwahns ..., 
4. Politik / Öffentliche Verwaltung mit knappen Kassen und Ressourcen
und die
5. Medien mit ihrer unstillbaren Gier nach Meldungen, nach Sensationen.

Entwicklungen von Wissenschaft und Technologie als Motor der Veränderungen  

Zu keiner Zeit der Menschheitsgeschichte hat sich der Zugewinn an Wissen und Erkenntnissen so rasant entwickelt wie zur Zeit. Mit dem Stichwort Wissensgesellschaft wird auf ein wesentliches Element des gesellschaftlichen Wandels verwiesen. Es verdeutlicht, wie sehr Wissen als ein Charakteristikum der Gesellschaft verstanden wird; in ihm spiegelt sich auch, wie sehr Wissen selbst zum Handlungsgegenstand geworden ist. - In bestimmten Wissensbereichen - besonders in den Naturwissenschaften und in der Technik - ist eine derart rasante Wissensentwicklung zu verzeichnen, so dass die Halbwertzeit von Wissen immer kürzer wird. Viele wichtige Erkenntnisse sind heute nicht mehr Erkenntnisse in den einzelnen Fachgebieten einzelner Wissenschaftler, sondern Erkenntnisse über Systemzusammenhänge. Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Sinne gemeinsamer Bearbeitung aktueller Probleme in konstruktiver Zusammenarbeit von Experten ganz unterschiedlicher Fachgebiete wird zu einer großen Herausforderung. Die Lösung zahlreicher Probleme erfordert ein Zusammenspiel auch vielleicht entfernt liegender Disziplinen.
Zwar wissen wir immer mehr in einzelnen Fachbereichen, der Wert und der Nutzen dieses Wissens hängen jedoch zunehmend von der Art und Weise ihrer Verknüpfung ab. Wissenschaft und Technologie brauchen den weltweiten, schnellen Austausch an neuen Forschungsergebnissen, um in der internationalen Kooperation einen weiteren Fortschritt erzielen zu können.
Prozesse der Globalisierung bewirken heute eine neue, weltweite Konkurrenzsituation. Die Sicherung künftiger Wettbewerbsfähigkeit hängt zunehmend ab von Forschungserfolgen, von innovativen Ideen und Problemlösungen. Die weltweite Vernetzung ist dabei eine Chance und Herausforderung zugleich.
Innerhalb der Volkswirtschaften expandiert der wissensbasierte oder informationsverarbeitende Sektor. Dies führt zu Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt und schafft neuartige Berufsbilder mit neuen Anforderungen und hat gravierende Auswirkungen für den Einzelnen wie für die Gesellschaft.
Da komplexe, aber auch spezielle und zudem sich ständig wandelnde Tätigkeitsbereiche die Arbeitswelt prägen, verändern sich die Anforderungen an die Qualifikation, an die Flexibilität und die Mobilität des Einzelnen. Persönlichkeitseigenschaften wie Teamfähigkeit, Eigeninitiative und Problemlösefähigkeit werden als "personelle Ressourcen" benötigt und bestimmen den beruflichen Erfolg des Einzelnen und bestimmen damit die Wirtschaftskraft der Unternehmen. Produktions- und Absatzmärkte sind global zu sehen. Folglich lösen sich nationale und geschützte Arbeitsmärkte nach und nach auf. Neue Produkte bestimmen die Gewinne und setzen eine hohe Qualifikation der Produzenten voraus. Schematische Arbeitsabläufe mit geringer Qualifikation werden von Maschinen übernommen oder in Billiglohnländern erledigt. Teamarbeit und Sozialkompetenz auf einem hohen Niveau bei Können und Wissen gewinnen an Bedeutung. Der Bildungsvorrat, den der Einzelne aus Schule und Ausbildung in die berufliche Tätigkeit mitbringt, reicht immer weniger weit, sondern muss lebenslang ständig erweitert werden. Das lebenslange Ausüben eines einmal erlernten Berufes wird seltener. Voraussetzungen für eine lebenslanges Lernen sind das Bewusstsein sowie die Fähigkeit zu lernen. Wie gut dies gelingen kann, hängt ab  - das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen - von der Schulbildung des Einzelnen. Entscheidend ist nämlich, dass das einmal erworbene Wissen anschlussfähig ist und mit neuen Wissensbeständen verknüpft werden kann und neue Erkenntnisse in vorhandene Strukturen integriert werden können.

Bildung wird in unserer Gesellschaft zum Standortfaktor. Die schnelle Umsetzung von Erkenntnissen besonders aus den Grundlagenwissenschaften in verwertbare Produkte und Verfahren ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Siemens-Chef Heinrich von Pierer ist überzeugt: „Ein Unternehmen, das heute nicht innovativ genug ist, wird sehr schnell auf die eine oder andere Weise vom Markt verschwinden."

Informations- und Kommunikationsmedien revolutionieren seit den 1980er Jahren alle Bereiche der Arbeits- und Lebenswelt, insbesondere aber auch die Lernwelt.Lernen mit dem PC

Die neuen Medien verbreiten sich in unserer Gesellschaft mit unvergleichlicher Schnelligkeit und Intensität. In relativ kurzer Zeit haben sie sich nicht nur im beruflichen Sektor etabliert und sind dort nicht mehr wegzudenken, sondern durchdringen inzwischen auch den privaten Bereich und verstärkt ab 1996 - mit dem Start von „Schulen ans Netz“ - auch den schulischen Bereich.
Selten jedoch haben noch nie neue Unterrichtsmedien für derartige  Turbulenzen und kontroverse Debatten gesorgt wie die sog. Neuen Medien. Während die Apologeten angesichts der scheinbar unendlichen technischen Möglichkeiten ein neues Zeitalter des „light-learnings“ und Bildung auf Knopfdruck heraufdämmern sahen, in dem all die Mühsal des Lernens der Vergangenheit angehören sollte, und Bill Gates bereits  die lehrerfreie Schule prophezeite, warnten die Skeptiker vor Technikgläubigkeit und Abhängigkeit, vor der Rückkehr zum programmierten Unterricht, den man ja gerade erst abgeschafft hatte und vor dem Untergang traditioneller Kulturtechniken.
Der kompetente Umgang mit den digitalen Unterrichtsmedien wurde von allen Parteien und gesellschaftlichen Gremien zum bildungspolitisches Ziel erklärt;  Medienkompetenz galt (und gilt)  nun  als vierte Schlüsselqualifikation und die Schulen des Landes wurden von der Politik und der Wirtschaft aufgefordert, entsprechende schuleigene Medienkonzepte zu entwickeln.
Modellprojekte wurden  entwickelt und publiziert, die Anregungen liefern sollten für einen zeitgemäßen Umgang mit  Multimedia im Unterricht.
Ohne Zweifel  hat man es heute mit Medien zu tun, die weitaus „mächtiger“ und  viel versprechender  daher kommen als all ihre Vorgänger.
Von entscheidender Bedeutung für das Bestehen des Einzelnen in der Wissensgesellschaft wird die Fähigkeit sein, eine Fülle ungeordneter und jederzeit abrufbarer Informationen in organisiertes, anwendungsfähiges und flexibel nutzbares Wissen zu verwandeln. Ein sicherer Umgang mit Medien in Lernprozessen befördert Wissenserwerb sowie Entwicklung von Lern-  und Methodenkompetenz.
Eine Gesellschaft im (technologischen) Wandel braucht deshalb auch eine sich wandelnde Schule.
Aktuelle didaktische Handlungsmuster müssen sich an tragfähigen und aktuellen pädagogischen Erfahrungen orientieren, an neuen gesellschaftlichen Anforderungen messen lassen und neuere lernpsychologische Erkenntnissen adäquat umsetzen.

Veränderungen in der Demographie und der Sozialstruktur der bundesdeutschen Gesellschaft
Die gegenwärtige gesellschaftliche Situation ist geprägt durch tiefgreifende soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Veränderungen. Der gesellschaftliche Modernisierungsprozess vollzieht sich im Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft. Ein wesentliches Merkmal der modernen demokratischen Gesellschaft ist der Pluralismus. Ausgehend vom Grundsatz der freien Entfaltung der Persönlichkeit stehen Menschen nicht in einem Verhältnis von Über- und Unterordnung zueinander, sondern handeln im Rahmen der Rechtsordnung eigenständig und gleichberechtigt. Dies führt zu Vielfalt und Konkurrenz von Orientierungsmustern, Einstellungen, Verhaltensweisen und Lebensformen, die mit unterschiedlichen Wertbindungen und Lebenskonzepten einhergehen. Gesellschaftliche Institutionen und traditionelle Lebensformen verlieren für viele Menschen an Bedeutung. Die Veränderungen zu einem „Pluralismus"  sind in den Städten ebenso deutlich wahrnehmbar wie auf dem Land. Der Zuwachs an persönlichen Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten wird als Individualisierung bezeichnet - der Einzelne ist für die Gestaltung seines Lebenslaufes selbst verantwortlich. Institutionelle wie lebensgeschichtliche Vorgaben haben eher die Funktion von Bausätzen, aus denen sich der Mensch seine persönliche Biografie aktiv zusammenfügt.
Davon sind alle Lebensbereiche betroffen, von der Wahl der Schulbildung und des Berufs, des Wohnortes, der Lebensform, der persönlichen Wertorientierungen bis hin zur Gestaltung des Alltags. Selbstverständlichkeiten und Verbindlichkeiten, tradierte Normen sowie Deutungs-  und Ordnungsmuster, die früheren Generationen eine Richtung gewiesen und eine gewissen Sicherheit im Lebensentwurf und im Zusammenleben gegeben haben, verlieren an Bindungskraft. Die sogenannte Normalbiografie, die durch Herkunft, Geschlechterrollen, aber auch Parteizugehörigkeit oder Religion beeinflusst wurde, nimmt ab. Die Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelnen werden vielfältiger, erfordern aber individuelle Entscheidungen. Die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen wird gestärkt, seine Selbstständigkeit gefordert. Dies führt zugleich zum Zwang, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, zur Notwendigkeit, Entscheidungen auch tatsächlich zu treffen. Angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten und der hohen Komplexität gesellschaftlicher Zusammenhänge fällt es Menschen in unserer Gesellschaft schwer, die Orientierung für das eigene Leben, für die Entwicklung eines eigenen, als sinnvoll empfundenen Lebensentwurfs zu übernehmen. Pluralisierung auf der einen Seite und Individualisierung auf der anderen Seite zeigen sich auch im Wandel in der Familie: Die Zahl der Alleinlebenden wächst, das Spektrum familiärer Lebensformen wird differenzierter. Zugenommen hat die Zahl Alleinerziehender, aber auch von Familien, in denen es vielfältige Beziehungsverhältnisse gibt. Instabilität von Paarbeziehungen bedeutet dabei vor allem für Kinder und Jugendliche, innerhalb größerer familiärer Unsicherheiten leben zu müssen. Lebensbegleitende Bezugspersonen, die Halt und darüber hinaus Orientierung bei der Identitätsfindung geben können, fehlen immer häufiger. Bezugspersonen wechseln oder sind nicht zuverlässig für die Kinder da. Damit sind viele Kinder schon frühzeitig auf sich selbst gestellt. Das fördert einerseits ihre Selbstständigkeit in der Organisation und Bewältigung ihres Alltags, bedeutet aber andererseits, dass sie oftmals allein gelassen oder auch überfordert sind. Das veränderte Rollenverständnis von Frau und Mann in Partnerschaft, Ehe und Familie hat die Erziehungsvorstellungen der Eltern sowie die Art der Eltern-Kind-Beziehungen beeinflusst. Die Umgangsformen sind in der Regel partnerschaftlicher geworden, autoritäre Strukturen sind seltener anzutreffen. Verstärkt findet man sogenannte „Verhandlungshaushalte", in denen Eltern mit ihrem Kind unterschiedliche Interessen aushandeln, sich absprechen und nach Kompromissen suchen.
Der Aufbau einer pluralistischen Demokratie stellt die Menschen vor eine besondere Herausforderung.  Eine schrumpfende Bevölkerung mit einer gleichzeitigen Verlängerung der Lebenszeit hebelt die traditionellen Sozialsysteme aus. Die Lebensphasen verschieben sich in der Hinsicht, dass die Ausbildungszeiten sich für die Heranwachsenden verlängern, die Zeit der aktiven Erwerbstätigkeit sinkt und die Zeit des Ruhestands steigt. Die Lebensplanentwürfe sind heute nahezu beliebig gestaltbar. Die zunehmende ethnische Vielfalt in unserer Gesellschaft verstärkt diesen Prozess noch und gleichzeitig brechen die traditionellen Sozialisationsinstanzen, die Familien, weg. Kinder wachsen in ganz unterschiedlichen Beziehungsstrukturen auf und werden auch ganz unterschiedlich sozialisiert. Die Berufstätigkeit als Folge der stärkeren Selbstverwirklichung von beiden Eltern führt dazu, dass Kinder nicht mehr wie früher  von ihren Eltern betreut werden können, so dass gesellschaftliche Instanzen diese neuen Aufgaben mit übernehmen müssen.
Nicht nur der Wandel der Familie, sondern auch andere technologische Entwicklungen führen zu einer veränderten Kindheit.
So gehören Technik und Medien aller Art heute zur Kindheit. Diese Entwicklung beinhaltet gleichermaßen Chancen und Gefahren. Die lange Verweildauer vor dem Fernseher und dem Computer führt zu einer veränderten Art und Qualität von Erfahrungen, trägt aber auch entscheidend zu Kompetenzen im Umgang mit diesen Medien bei. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen Kinder überwiegend im Spiel mit Geschwistern oder Nachbarskindern unmittelbare Erfahrungen sammeln konnten, werden ihnen heute Erfahrungen aus zweiter Hand vermittelt, was zu verzerrten Welt- und Selbstbildern führen kann. Außerdem können geringere körperliche Aktivitäten der Kinder zu Fehlentwicklungen führen, die frühzeitig durch ausreichende Bewegung korrigiert werden müssen. Die Lebenswelten der Kinder gleichen einander immer weniger. Neben den Kindern und Jugendlichen, die auf sich gestellt sind, gibt es viele, deren Freizeit von den Eltern und von ihnen selbst bewusst geplant und organisiert wird. Die - oftmals aufwändigen - Aktivitäten werden nach individuellen Interessen ausgewählt oder gezielt zur Förderung von Begabungen eingesetzt. Kinder und Jugendliche erhalten die Chance sich mit unterschiedlichen Menschen und sozialen Gruppen auseinander zu setzen. Dies fördert einerseits ihre Flexibilität und Toleranz, kann aber andererseits zu Unverbindlichkeiten in den Beziehungen führen. Die Anforderungen an den Einzelnen steigen, sich in der Vielfalt der Informationen zurecht zu finden, sie zu bewerten, kritische Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen zu zeigen und schnell eine eigene Position zu beziehen. Medien haben mittlerweile alle gesellschaftlichen Bereiche unserer Gesellschaft durchdrungen. Mit Medien kompetent umgehen zu können wird eine Grundqualifikation für alle Mitglieder. Fehlende Medienkompetenz führt zum Ausschluss aus unserer von Medien durchdrungenen Welt.
 
Veränderungen in der Politik und der Öffentlichen Verwaltung

Die veränderte wirtschaftliche Situation unserer Volkswirtschaft hat dazu geführt, dass die Öffentliche Hand nur einen ganz geringen finanziellen Spielraum zur Realisierung ihrer Aufgaben hat.
Eine schlanke Verwaltung als Ziel wird angestrebt, weil der Gürtel auch enger geschnallt werden muss. Verlagerung der Entscheidungen auf untergeordnete Ebenen ist die Folge eines Ausstiegs der Verwaltung aus einer Verantwortung, die nicht mehr finanzierbar ist. Vorsorge und Fürsorge müssen stärker in private Hände verlagert werden, weil die Allgemeinheit die Aufgaben nicht mehr meistern kann wie in der Vergangenheit. Seit der Jahreswende 2003/2004 inzwischen europaweit eingeführten  5 Prinzipien des neuen Steuerungs-Modells für öffentliche Verwaltungen, die nun auch auf die Schulen übertragen werden, das werden Sie nachvollziehen können!. Sie lauten:- Steuern statt Rudern.- Resultate statt Regeln-  Eigenverantwortung statt Hierarchie- Wettbewerb statt Monopol- Motivation statt Alimentation. Alle Reform-Aktivitäten der letzten zwei Jahre in den Schulen lassen sich auf die Einführung  dieser Prinzipien zurückführen!

Bildungserweiterungsmodell statt Bildungsvorratsmodell

Dies fordert eine veränderte Lehr- und Lernkultur. Lernprozesse selbst müssen stärker zum Gegenstand von Bildung werden.
Das Leben in einer offenen, pluralen Gesellschaft fordert zudem die Fähigkeit zum verantworteten Umgang mit Freiheit und zu standpunktbezogener Toleranz auf der Basis der Grund- und Menschenrechte.
Dies macht Werteorientierung zu einem integralen Bestandteil schulischer Arbeit.
Als Anforderungen an schulische Bildung und Erziehung stehen somit Wissenserwerb, Kompetenzentwicklung und Werteorientierung im Vordergrund. Diese drei Dimensionen durchdringen und bedingen sich wechselseitig und sind wesentliche Komponenten der Persönlichkeitsentwicklung.
Der Erwerb von anwendungsfähigem Wissen, die Entwicklung von Methodenkompetenz, Lernkompetenz und Sozialkompetenz sowie die Werteorientierung stehen im Mittelpunkt schulischer Bildung und Erziehung.

Permanentes Lernen als neue, lebensbegleitende Verhaltensnorm

Diese Verbindung  von  „Arbeiten“ und „Lernen erfordert“ eine höhere Bildungsbereitschaft aller Bevölkerungsschichten in allen Lebensphasen. Lernen wird immer mehr zum Schlüssel eines gesicherten Einkommens. „Von entscheidender Bedeutung für das Bestehen des Einzelnen in der Wissensgesellschaft wird die Fähigkeit sein, eine Fülle ungeordneter und jederzeit abrufbarer Informationen in organisiertes, anwendungsfähiges und flexibel nutzbares Wissen zu verwandeln. Ein sicherer Umgang mit Medien in Lernprozessen befördert Wissenserwerb sowie Entwicklung von Lern- und Methodenkompetenz.“

„Die Anforderungen an die permanente Lernbereitschaft aller Gesellschaftsmitglieder und an ein regelmäßiges Lernen auch im Erwachsenenalter sind erheblich. Grundlegend neue Lernhaltungen werden erwartet. Lernfelder sollen selbstständig erschlossen, Lernberatung in Anspruch genommen und Lernwiderstände selbstgesteuert überwunden werden.“

„Lebenslanges Lernen umfasst alles formale, nicht-formale und informelle Lernen an verschiedenen Lernorten von der frühen Kindheit bis einschließlich der Phase des Ruhestands. Dabei wird "Lernen“ verstanden als konstruktives Verarbeiten von Informationen und Erfahrungen zu Kenntnissen, Einsichten und Kompetenzen.“

Die Bereitschaft, auch im Erwachsenenalter permanent weiter zu lernen, soll zu
einer unabdingbaren Verhaltensnorm werden (EU-Memorandum 2001). Technologische und ökonomische Entwicklungen begründen die Forderung zu einem lebenslangen Lernen. Im EU-Memorandum werden sechs Grundbotschaften formuliert, die den Rahmen für eine Diskussion über die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung des lebenslangen Lernens angeben.

1. neue Basisqualifikationen für alle,
2. höhere Investitionen in die Humanressourcen,
3. Innovation in den Lehr- und Lernmethoden,
4. stärkere Bewertung des Lernens,
5. Umdenken in der Berufsberatung und der Berufsorientierung,
6. das Lernen den Lernenden auch räumlich näher bringen.

Entwicklungsschwerpunkte für ein lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen für alle Menschen kann nicht durchgängig in institutionalisierten
Bildungsorganisationen organisiert und gefördert werden. Da die meisten Lernprozesse sich informell in Lebens- und Arbeitszusammenhängen außerhalb von Bildungsinstitutionen entwickeln, muss das informelle Lernen wesentlich in die Förderung Lebenslangen Lernens einbezogen werden. Lernen in und außerhalb von Institutionen soll sich wechselseitig ergänzen; ihr Zusammenwirken soll zu einem erweiterten Verständnis Lebenslangen Lernens
führen.
Trotz der Bedeutung des informellen Lernens für die gesamte Gesellschaft, liegt das Hauptaugenmerk bei den folgende Ausführungen auf das institutionalisierte Lernen in den deutschen Schulen.

Selbststeuerung
Lernen entwickelt sich im Lebenslauf individuell-biographisch verschieden und
beruht auf unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Lernmilieus, Lernbedürfnissen
und Lernanlässen. Daher kann es zunehmend nur von den Lernenden selbst angemessen gesteuert werden. Sie nutzen dabei teilweise fremdorganisierte Angebote, teilweise organisieren sie ihre Lernprozesse selbst.

Nach Gòmez Tutor und Kammerer  ist Selbstgesteuertes Lernen ein „aktiver Aneignungsprozess, bei dem das Individuum über sein Lernen entscheidet, indem Möglichkeiten gegeben sind
- die eigenen Lernbedürfnisse bzw. den Lernbedarf, Interessen und Vorstellungen zu
bestimmen und zu strukturieren,
- die notwendigen menschlichen und materiellen Ressourcen (inklusive professioneller
Lernangebote oder Lernhilfen) hinzuzuziehen,
- Lernziele, inhaltliche Schwerpunkte, Lernwege, -tempo und -ort weitestgehend selbst
festzulegen und zu organisieren,
- geeignete Methoden auszuwählen und einzusetzen und
- den Lernprozess auf seinen Erfolg sowie die Lernergebnisse auf ihren Transfergehalt
hin zu bewerten.“
Dieser Definition liegt somit ein Verständnis von selbstgesteuertem Lernen zugrunde, das sowohl die lernvorbereitenden Aspekte, also die Konstitutions­bedingungen des Lernens, als auch die lernbegleitenden Aspekte des Lernprozesses, d.h. die Prozessbedingungen des Lernens, einschließt, wobei es dem Individuum überlassen bleibt, welche Teile des Lernprozesses es selbstgesteuert und welche es unter Zuhilfenahme von anderen durchführen möchte. Selbstgesteuertes Lernen lässt sich dementsprechend auf einem Kontinuum zwischen Fremdsteuerung und autonomem Lernen verorten.
Wichtig ist allerdings, dass im Prozess des selbstgesteuerten Lernens durch den Aspekt der Evaluation eine ständige Reflexions- und damit eine Korrekturschleife eingebaut ist, um bei Bedarf einzelne Bestandteile des Lernprozesses nochmals neu bearbeiten zu können.

Dieser Aspekt der Voraussetzungen und Fähigkeiten für selbstgesteuertes Lernen wird allgemein als Selbstlernkompetenz bezeichnet, die folgendermaßen definiert werden kann:
Selbstlernkompetenz umfasst die Bereitschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person, den eigenen Lernprozess selbstgesteuert zu gestalten.

Kompetenzentwicklung

In Anlehnung an den Kompetenzbegriff von Weinert werden Kompetenzen als erlernbare, kognitiv verankerte Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden, die eine erfolgreiche Bewältigung bestimmter Anforderungssituationen ermöglichen. Der Begriff umfasst auch Interessen, Motivationen, Werthaltungen sowie soziale Bereitschaft.

Kompetenzen sind demnach kognitive Dispositionen für erfolgreiche und verantwortliche Denkoperationen oder Handlungen.

Teilkompetenz: Fachkompetenz
Unter Fachkompetenz wird das gesamte Wissen einer Person in einem Themenbereich verstanden, dabei sind sowohl deklaratives als auch prozedurales Wissen von Bedeutung.
Entscheidend beim Erschließen neuer Wissensgebiete ist das Anknüpfen an vorhandenes Wissen. Anschlussfähiges Vorwissen kann selbstverständlich auch im Bereich der Allgemeinbildung liegen.

Teilkompetenz: Personale Kompetenz
Personale Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit für ein selbstverantwortliches Handeln unter Berücksichtigung verschiedener motivationaler und volitionaler Gesichtspunkte. Kammerer führt hier die Komponenten Motivation, Anstrengung, Willensstärke, Selbstwirksamkeit,
Aufmerksamkeitssteuerung und selbstregulative Aspekte an.

Teilkompetenz: Sozialkompetenz
In der Definition vom Selbstgesteuerten Lernen ist nicht enthalten, dass es ausschließlich im Alleingang erfolgen muss. Es bleibt dem Lernenden vorbehalten eine Kooperation mit anderen für ein gemeinsames Lernen einzugehen. Für diese Zusammenarbeit sind Kompetenzen im Umgang mit anderen (Konflikt-, Kontakt- und Teamfähigkeit) von großer Bedeutung.

Teilkompetenz: Methodische Kompetenz
Der Bereich der methodischen Kompetenz umfasst kognitive und metakognitive Aspekte des Lernens. Betrachtet werden insbesondere die individuellen Lernstrategien, Metakognitionen (Planung und Kontrolle des Lerngeschehens) sowie die Organisation des Lernens unter der Perspektive des Zeitmanagements und der Auswahl von Informationsquellen.

Teilkompetenz: Emotionale Kompetenz
Unter emotionaler Kompetenz fasst Kammerer Facetten der Selbstwahrnehmung und
Bereiche der emotionalen Selbstregulation zusammen. Ihr Beitrag liegt in einer adäquaten Handlungssteuerung unter Bewusstheit und Kontrolle der eigenen Emotionen.
Kommunikative Kompetenz
Die Rolle des Austausches mit anderen wurde bereits im Bereich der Sozialkompetenz hervorgehoben.
In diesem Zusammenhang sind verbale und nonverbale Fähigkeiten wesentlich für eine erfolgreiche Kooperation.

Das selbstständige Erschließen des jeweils aktuell benötigten Wissens durch gezieltes recherchierendes Erarbeiten und Nutzen einschlägigen gespeicherten Wissens wird also zunehmend wichtiger. Dies erfordert auch die breite Entwicklung der Kompetenz zur zielführenden Nutzung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie. "Bildungsstandards" legen heute fest, was Schüler jeweils auf bestimmten Stufen ihrer Schullaufbahn können sollen.
Auch das nachschulische Weiterlernen zielt wesentlich auf die Entwicklung von Kompetenzen zur Bewältigung von praktischen Lebens- und Arbeitsanforderungen. Die Ausrichtung auf Kompetenzentwicklung muss daher für die Förderung Lebenslangen Lernens in der gesamten Lebensspanne maßgebend sein.

Vernetzung
Um alle Lernangebote und Lernmöglichkeiten sinnvoll und effizient nutzen zu können, ist es weiter erforderlich, eine entsprechende Infrastruktur bereit zu stellen, die nicht nur fremdorganisiertes, sondern auch selbstorganisiertes Lernen ermöglicht. Für die Entwicklung eines erweiterten Verständnisses von Lebenslangem Lernen sind keine neuen Institutionen erforderlich, die bestehenden Institutionen müssen jedoch vernetzt und in ihren Funktionen an die Erfordernisse Lebenslangen Lernens angepasst werden. Sowohl die einzelnen Bildungsstufen als auch die Bildungsangebote und -möglichkeiten auf einer Ebene (auch informelle und nichtinstitutionalisierte) müssen verstärkt aufeinander bezogen sein (vertikale und horizontale Vernetzung). Die Bildungsinstitutionen müssen für die Einbeziehung informellen und nicht-formalen Lernens offen sein.

Modularisierung
Lernangebote in modularer Form und Lernmaterialien, die auf lernanregende Fragen, Themen und Probleme zielen, erleichtern den Lernenden die Ausrichtung der Lernprozesse nach ihren Bedürfnissen.

Lernberatung
Das stärker selbstgesteuerte Lernen mit kompatiblen Modulen in institutionsübergreifenden
Lernnetzwerken stellt Anforderungen an Lernmotivation und Lernfähigkeit, denen viele Menschen nur mit Hilfe einer offenen und kompetenzentwickelnden Lernberatung entsprechen können.

Neue Lernkultur/Popularisierung des Lernens
Wirksames kompetenzentwickelndes Lernen erfordert Anregung und Ermutigung. Es ist eine motivierende Popularisierung des Lernens unter Einbeziehung der Medien mit dem Ziel der  Entwicklung einer neuen Lernkultur nötig.
Eine Strategie zur Förderung Lebenslangen Lernens für alle muss dazu beitragen, das Zurückbleiben des Lernens hinter der zunehmenden Komplexität der Verhältnisse und ein Versagen vor den wachsenden Verstehens- und Problemlösungsanforderungen aufzufangen.

Chancengerechter Zugang
Der Zugang zu lebenslangem Lernen ist eine entscheidende Voraussetzung für das Leben in einer auf demokratische Teilhabe ausgerichteten Gesellschaft, in der Persönlichkeitsentwicklung und Wissenserwerb sowie eine sozial verantwortliche Anwendung von Wissen und Kompetenzen immer größere Bedeutung erhalten. Zu keinem Zeitpunkt seiner Bildungsbiographie darf jemand aus dem Lern- und Bildungsprozess ausgeschlossen werden. Für den Erfolg der neuen Lernkultur sind Rahmenbedingungen erforderlich, die einen chancengerechten Zugang für alle, insbesondere auch bildungsfernere Menschen, zu den Möglichkeiten Lebenslangen Lernens eröffnen.

Affinität digitaler Medien zu den erhobenen Forderungen

Die den digitalen Medien von vielen Autoren zugeschriebenen Potentiale haben eine hohe Affinität zu  Schlüsselbegriffen wie Lernerautonomie,  Individualität , selbständiges, problemorientiertes, exploratives Lernen und sie bieten die Chance, Vorstellungen von einem anderen Lernen und Unterricht zu verwirklichen und die Entwicklung von Schule und Unterricht im Sinne von Zukunftsfähigkeit voranzutreiben. Dies korrespondiert direkt mit den aus den Erkenntnissen der Lern- und Hirnforschung resultierenden Anforderungen an eine zu verändernde Unterrichtskultur.
Während das Nachdenken über das Lernen und seine Gelingensbedingungen entsprechende Forderungen an Veränderungen in Schule und Unterricht hervorbringt, versucht die Medienpädagogik die medialen Möglichkeiten auf diesem Hintergrund zu definieren bzw. dazu querzulegen. Sie geht der entscheidenden Frage nach, inwieweit Medien offene Unterrichtskonzepte unterstützen und dazu beitragen, Lernen und Lehren effizienter zu machen.
Die Gelingensbedingungen für effizientes Lernen zeigen auch auf, dass sich die Lernumgebungen – Unterricht & Schule ändern müssen, um diese Bedingungen zu erfüllen. Ein Unterricht, der sich am Lerner orientiert, muss offenen sein, d.h. u.a:  Gelegenheiten bieten, an individuellen Vorkenntnissen anzuknüpfen, um so die Erweiterung des individuellen Wissensnetzes zu gewährleisten, Lerngegenstände in der gesamten Komplexität in den Blick nehmen, genügend Raum geben für Selbsttätigkeit , um die Selbstständigkeit zu fördern, problemorientiertes, exploratives, kommunikatives & kooperatives  Arbeiten ermöglicht Schüler als Experten aktiv werden lassen (Lernen durch Lehren)

In Zusammenarbeit mit Gaby Engel und Michael Klein vom Landesinstitut Soest entstand der folgende Artikel 2006:

Lernen – Digitale Medien Unterstützung neuer Wege des Lernens und Lehrens

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