Unterrichts- / Schulentwicklung

Schulentwicklung

Der Unterricht im deutschen Bildungssystem ist weitgehend am sogenannten Homogenitätsparadigma (Gogolin/Neumann, 1997) ausgerichtet:

Um möglichst homogene Gruppen zu schaffen, werden Schülerinnen und Schüler sortiert, nach Schularten, Schulstufen, nach Alter, zuweilen nach Geschlecht oder im Rahmen integrierter Systeme in Niveaustufen.
Heute wissen wir, dass Lernerfolge beim Lernen wesentlich durch die Individualität und Konstruktionsfähigkeit des Lerners geprägt werden.

Dieses Verständnis zwingt uns, die uns vertraute Organisationsform der Institution Schule grundlegend zu ändern. Die bis heute weit verbreitete Organisationsform der Halbtagsschule, nach dem Fachlehrerprinzip strukturiert, ist auf "Vermittlung vonTrichter Wissen" ausgerichtet: Eine Lehrkraft "vermittelt" ihr vorher erworbenes Wissen (Studium)  zu einem vereinbarten Zeitpunkt (Unterrichtszeit) an eine möglichst homogene Lerngruppe (altersgleiche Gliederung), um im inhaltlichen und methodischen Gleichschritt zu einem nahezu gleichen Lernerfolg der Lerngruppnemitglieder zu gelangen. Dieses Prinzip trägt nicht mehr!
Anpassungen an neue Erkenntniss und an die veränderten Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft sind dringend notwendig.

Schüler müssen lernen Lern- und Denkvorgänge zu planen, umzusetzen, zu überwachen, gegebenenfalls zu korrigieren und abschließend auszuwerten. Bedeutsam ist die Bereitschaft, sich selbst Ziele zu setzen und aktiv zu werden. Auch der produktive Umgang mit Erfolg und Misserfolg muss gelernt werden, indem sich der Lernende seiner eigenen Möglichkeiten und Grenzen bewusst wird und eine realistische Selbsteinschätzung entwickelt.
Diese Umbruchsituation, in der sich unsere Bildungsinstitutionen jetzt befinden, muss aber zugleich auch eine Chance begriffen werden.

NeueWegeNeue Wege müssen in der Unterrichts- und Schulentwicklung eingeschlagen werden. 

Die Schulen in Deutschland müssen sich deutlicher als zuvor bewusst sein, dass Schüler als aktiv Lernende stärker eigenverantwortlich in den Lehr- und Lernprozess einbezogen werden müssen. Die Schule ist als Organisation gefordert, stärker die Perspektive der Lernenden zu berücksichtigen und ihnen entsprechende Anregungen zu geben sowie für die notwendigen Entwicklungsbedingungen zu sorgen.

Denn: Die Schule legt die Grundlagen für das weitere Lernen!

Durch Unterrichts- und Schulentwicklung muss der notwendig gewordene Paradigmenwechsel der Organisationsform "Schule" vollzogen werden.

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Lernstrategien und Lernmethoden im Erwachsenenalter nicht mehr so einfach zu beeinflussen sind (Friedrich, Fischer, Krämer & Mandl, 1985). Deshalb ist es naheliegend, bereits in der Schule dafür zu sorgen, dass die individuell richtigen Lernstrategien und -methoden gelernt werden. Damit befindet sich die Schule aber auch in einer Situation, die  von Larsson (1983) als das „Paradoxon des Unterrichtens“ beschreibt.
Es besteht darin, dass Lehrende einerseits selbstgesteuertes Lernen durchaus als wichtiges Ziel schulischen Lernens akzeptieren, andererseits sehen sie in der täglichen Praxis, dass viele Lernende die Spielräume für selbstgesteuertes Lernen nicht nutzen (können), was die Lehrenden wiederum veranlasst, den Unterricht stark zu strukturieren und für möglichst alle Lernenden gleich zu gestalten. Dies führt dann tendenziell dazu, dass jene Lernenden, die ohnehin Probleme mit der Selbststeuerung haben, diese Probleme auch nicht überwinden, und dass jene, die zur Selbststeuerung in der Lage sind, diese allmählich verlernen, da sie nicht von ihnen gefordert wird.

Nach Weltner (1978) hat sich das System „Schule“ im Zielkonflikt zwischen der Optimierung der Informationsvermittlung in Lehrveranstaltungen und dem Aufbau der Lernkompetenz bisher immer für ersteres entschieden. Wenn selbstgesteuertem Lernen aber der Rang einer Schlüsselqualifikation zugesprochen wird, dann sollten auch verstärkt Anstrengungen unternommen werden, diese Qualifikation systematisch zu entwickeln. In der Schule sollte Lernen nicht bloß geschehen, sondern Lernende sollten am Ende ihrer schulischen Biographie über ein Repertoire an Strategien und Fertigkeiten für das selbstgesteuerte Lernen verfügen, das sie bewusst, aufgaben- und  situationsangemessene einsetzen können (Dubs, 1993). Sie sollten sozusagen Experten für ein lebensbegleitendes Lernen sein.lernen03

Führt man sich diesen Sachverhalt vor Augen, dass das individuelle, selbstgesteuerte Lernen Voraussetzung, Methode und Ziel des Unterrichtens ist (Weinert, 1982), so wird klar, dass der Weg nicht einfach ist, den die Schule zu beschreiten hat.

Das Handeln der Schule und der Lehrkräfte im Unterricht findet unter sich ständig verändernden Rahmenbedingungen statt (z.B. gesetzliche Vorgaben), die wiederum größtenteils außerhalb Ihrer Einflussmöglichkeiten der Schule und der Lehrkräfte  liegen. Der natürliche Ansatzpunkt der Schulentwicklung ist also das Handeln der Schule als Organisation und das Handeln der Lehrkräfte im Unterricht.

„Unterrichtsentwicklung ist der Kern der Schulentwicklung und hat zum Ziel, den Unterricht im Interesse der Schülerinnen und Schüler zu verbessern und sie zu eigenverantwortlichem Lernen und Arbeiten zu befähigen.(...)"
Quelle: http://www.schule-und-co.de/dyn/bin/1391-2362-1-druckfassung.pdf

Schulentwicklung

Dazu müssen das Handeln der Akteure, die schulinternen Strukturen und die Arbeitsabläufe in der Schule verändert werden.

Die Arbeitszeitregelung ( ausschließliche Bindung an die Zahl der zu unterrichtenden Schulstunden) für Lehrkräfte als Dreh- und Angelpunkt einer gelingenden Schulentwicklung

 

Unterrichtspartituren als Instrumente der Implementation von Querschnittsaufgaben

Der Ausdruck "Unterrichtspartitur" erweitert den Begriff der schulinternen Curricula um einen strukturellen Aspekt, der einem Darstellungsmuster der Musik entlehnt wurde. Viele verschiedene Instrumente arbeiten in einer Weise zusammen, so dass ein akustisches Gesamtklangbild entsteht.

Unterrichtspartituren sind Kooperations- und Koordinationspläne für die Querschnittsaufgaben einer Schule.
Sie fixieren schulinterne Absprachen und machen kenntlich,
- welche Unterrichtsfächer
- in welchen Jahrgangsstufen
- welche Unterrichtsvorhaben
- mit welcher Dauer
- und in welchem Rhythmus umsetzen.

Jahresplanung

Unterrichtspartituren (s.auch Verlinkung zur Bertelsmann-Stiftung) sind Kooperations- und Koordinationspläne für die Arbeit in den einzelnen Jahrgangsstufen einer Schule. Sie dienen in erster Linie dazu, in Jahrgangsplanungen kenntlich zu machen,
  • welche Unterrichts-Vorhaben in welcher Unterrichtszeit vorkommen sollen,
  • welche Vorhaben sich inhaltlich und zeitlich planvoll aufeinander beziehen,
  • in welchem Rhythmus das, was vereinbart wurde vorkommt bzw. wechselt,
  • welche Ziele der Querschnittsaufgaben den Rhythmus des Unterrichtsgeschehens mitbestimmen.
  • Diese Art der Jahrgangsplanung erleichtert auch die weiter greifenden Ziele:
  • den Unterricht in den Lernbereichen und Fächern zu koordinieren, wo dies aus inhaltlich-thematischen, methodischen, arbeitstechnischen oder organisatorischen Gründen nahe liegt, nämlich im fächerverbindenden / fächerübergreifenden Unterricht,
  • der dann allerdings auch verbindlich durchzuführen ist.